ihnen. Als sie vor einigen Jahren verreisten, hat- ten sie für diese Zeit wieder einmal ihr Haus einer Familie zur Verfügung gestellt, die sich keinen Urlaub leisten konnten. Maike ist wichtig, dass vorhandener Raum sinn- voll genutzt wird. „Eigentum verpflichtet“, heißt es im Grundgesetz. Für sie ist ein offenes Haus jedoch kein Pflichtprogramm, sondern ein Stück gelebte Utopie – inklusive aller Freuden und Enttäuschungen, die sich aus den Begegnungen mit „Fremden“ ergeben. Doch die Freude über- wiege bei weitem. Teilen, von klein auf lernte die Wie schön Teilen sein kann, 67-Jährige bereits in ihrer Kindheit: „Meine Mutter hatte immer den herrlichen Spruch auf den Lippen: ‚Und wenn ihr ein Stück Schoko- lade habt und eine Freundin steht daneben, dann müsst ihr es durchbrechen, sonst blutet ihr Herz.‘ Und: ‚Fürs Geben muss man nicht viel haben – auch kein großes Haus.‘“ Diese Philo- sophie begleitete sie ihr ganzes Leben: In ihren Hamburger Wohngemeinschaften war für spon- tanen Besuch immer ein Platz im Hochbett frei, das WG-Auto wurde oft verliehen, auf Reisen wurden grundsätzlich Trampende mitgenom- men. Heute engagiert sie sich vor allem in der solidarischen Landwirtschaft, dem Projekt „Ge- schichte sichtbar machen“ und spielt in der Band „Munterwegs“ sowie dem Erfurter Klez- merorchester Posaune. Dass viele mit ihrer grundlegenden Überzeu- gung eines kollektiven Besitzes wenig anfangen können, ist Maike egal. „In den 60er und 70er Jahren war die ganze Gesellschaft aufgehetzt gegen protestierende Studierende, Hippies, Ökos und AKW-Gegner. Birkenstocksandalen und Jutetaschen wurden aus Überzeugung ge- tragen, aber die Träger oft abschätzig behan- delt.“ Besonders an eine Situation erinnert sie sich lächelnd: Sie hatte gerade einen großen Topf Suppe gekocht, als sie zu einem Termin musste. Sie ließ die hintere Balkontür offen, was eine Bekannte, die gerade zu Besuch war, sehr verwunderte. Maike erklärte ihr, dass in ihrer Abwesenheit fremde Schlafgäste kämen, die sicher hungrig wären. Die Bekannte war sehr überrascht, dass sie so einfach Unbekannte ins Haus ließ – für viele unvorstellbar, für Maike völlig normal. Keine Geheimrezepte Glücklich ist Maike besonders, wenn sich viele verschiedene Menschen um ihren Essenstisch versammeln. Auf den Tisch kommen dann Gerichte, die von den verschiedensten Küchen inspiriert sind. „Kochen habe ich tatsächlich in England gelernt, obwohl das so ein bisschen ab- surd ist. Die Engländer kochen echt furchtbar“, erinnert sich Maike. Doch das Kocherlebnis in Wohngemeinschaften war nicht typisch bri- tisch. Stattdessen wurde „einfach zusammenge- schmissen, was da war“: So entstanden zum Bei- spiel Suppen und Eintöpfe – Gerichte, die sie auch heute noch mit Freude ihren Gästen ser- viert. „Wenn mich dann Leute fragen, wie die Gerichte heißen, sag ich: Das hat doch keinen Namen… Nennen wir es ‚leckerer Dienstag‘. Ich koche halt irgendwas und experimentiere gern.“ Die gebürtige Helgoländerin betont, wie wichtig es ihr sei, kulinarische Tipps zu teilen: „Wenn´s schmeckt, immer weitergeben!“, ruft sie und wendet sich vehement gegen jene, die ihre Rezepte geheim halten. Als sie beginnt, über ihre Leidenschaft zu sprechen, kommt sie schnell ins Schwärmen. Sie spricht über Tschubritza, eine bulgarische Gewürzmischung, außerdem über die asiatische Küche, ihren Gas- ofen und Knoblauch. Wer im Haus der Gaedes wohnt, bekommt deshalb auch direkt einen Kochkurs: „Wer hier mitwohnt, muss auch mit schnippeln“, stellt Maike klar. Schon bald wird sie eine weitere Schnippelhilfe bekommen – ihre Tochter erwartet ihr erstes Kind. Dass ihr Enkelkind viel von der Oma lernen kann, ist offensichtlich, doch Maike will ihm vor allem drei Dinge mit auf den Weg geben: „Humor, Liebe zur Musik und Freude am politischen Engagement, das sind die drei entscheidenden Sachen in meinem Leben.“ Und am Ende ist wohl ihre ganze Lebensphilosophie irgendwie politisch. „Wenn´s schmeckt, immer weitergeben!“ 18 Good News Magazin