t r e t u e L p i l i h P : d l i B November 2025 bis 30. August 2027 gezeigt wird, und die den bezeichnenden Untertitel trägt: Feministische Stimmen über Krieg und Gärten. Wer unter dem Maul- beerbaum Platz nimmt, kann diese Stimmen hören – die Stimmen von Frauen aus dem Hevrîn Xelef Gar- ten in Berlin Neukölln, dem Frauendorf Jinwar in der autonomen kurdischen Region Rojava und ezidischer Frauen der Organisation Women for Justice. Untermalt von Klängen von Oud, Tar, Setar und Ka- mancheh teilen sie ihre Erfahrungen mit Krieg und Flucht, ihr Wissen und ihre Leidenschaft für Pflanzen, ihre Erinnerungen an die Gärten ihres Zuhauses und der Spiele unter dem Maulbeerbaum. Sie erzählen eine Geschichte von Leid, Unterdrückung und Trauer, aber auch von der Kraft, die im Teilen ihrer Erfahrungen und in der gegenseitigen Unterstützung liegt, und von neuen Anfängen, die möglich werden. Jin, Jiyan, Azadi Die echte schwarze Maulbeere, die von der in Teheran geborenen Berliner Künstlerin Ela Pour im Humboldt Forum nachgebildet wurde, steht im Heilkräutergarten Hevrîn Xelef in Berlin Neukölln. Gepflanzt wurde sie im Gedenken an Jina Amini. Die junge, im Iran lebende Kurdin starb im September 2022 an den Folgen poli- zeilicher Misshandlung durch die iranische Sittenpoli- zei. Das Verbrechen, für das sie festgenommen worden war: Ihren Hijab nicht korrekt getragen zu haben. Der Tod Jina Aminis löste eine Protestwelle aus, die über mehrere Monate andauerte und den Ruf der kur- dischen Frauenfreiheitsbewegung: „Jin Jiyan Azadi“, auf Deutsch: „Frau, Leben, Freiheit“, um die Welt trug. Heute steht dieser Ruf wie kein anderer für fe- ministischen Widerstand und den Einsatz für das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, häufig aber alles andere ist als das: Das Recht auf Leben, das Recht auf Freiheit für Frauen. Frauen zählen nachweislich im Krieg und wäh- rend der Flucht zu besonders vulnerablen Gruppen und sind aufgrund ihres Ge- schlechts besonderen Gefahren ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass gerade Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung Orte haben, an denen sie zusammenkommen und sich gegenseitig Halt geben können. Der Hevrîn Xelef Garten ist ein solcher Ort. Ein Ort zum Atmen Entstanden sei der Garten eher aus einer Notsituation heraus, erklärt mir Anuscheh Amir-Khalili. Sie ist Teil von Flamingo e.V., ein Netzwerk, das Unterstützung für geflüchtete Frauen und Kinder anbietet. „Viele die- ser Frauen sind traumatisiert und werden wegen star- ker Depressionen behandelt „, so Anuscheh. Oft fehlt jedoch gerade diesen Frauen der Zugang zu geschütz- ten Räumen, wo sie ihre Erfahrungen teilen und trau- ern können. Gemeinsam mit anderen Aktivist:innen beschloss sie darum, einen Ort zu schaffen, „wo diese Frauen atmen können und zumindest temporär Zu- gang zu Heilung haben. So entstand die Idee eines Gartens, genauer gesagt, eines Heilkräutergartens, umgeben von Natur.“ Beim gemeinsamen Gärtnern entstehen Gespräche über Erfahrungen und Erinnerungen an das eigene Zu- hause, die Gärten und Pflanzen dort“, erzählt An- uscheh. Dadurch eröffnen sich Räume zum Trauern, aber auch des gegenseitigen Haltes. Als Flamingo e.V. dann im Sommer 2023 gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnten, eine der Wech- selausstellungen im Berliner Humboldt Forum zu ku- ratieren, war klar: Nur unter der Bedingung, dass genau dieser Zusammenhalt authentisch abgebildet wird. „Darum lautet der Untertitel ja auch ‘feministische Stimmen über Krieg und Gärten’, um zu zeigen, wie wichtig diese geschützten Räume sind, wo Solidarität, Empowerment und auch Selbstermächtigung stattfin- den können, gerade aus feministischer Perspektive“, erklärt sie. Flamingo e.V. ist ein Netzwerk für geflüchtete Frauen und Kinder, das ursprünglich vor allem Akti- vist:innen vereinte, die an den EU-Außengrenzen, ins- besondere auf Lesbos, Unterstützung für geflüchtete Menschen leisteten. Seit 2015 ist Flamingo e.V. als ge- meinnütziger Verein in Berlin tätig. Über vier Jahre er- möglichte der Verein das selbstorganisierte Wohnpro- jekt SafeNest für alleinreisende schwangere Geflüch- tete und bietet bis heute verschiedene Projekte zur Rechtsberatung und medizinischer Unterstützung geflüchteter Menschen, insbesondere Frauen. Ein Hin- tergedanke, erklärt Anuscheh Amir-Khalili, sei dabei immer gewesen, die Vereinsstruktur von Flamingo e.V. auch einzelnen anderen Aktivist:innen zur Verfügung zu stellen – darunter auch Räume wie den Hevrîn Xelef Garten. Seit 2019 ist der transkulturelle Heilkräuter- garten das Kernstück der Arbeit von Flamingo e.V. als Partner:innenprojekt mit dem Frauendorf Jinwar in Rojava (Nordsyrien). Good News Magazin 89