Repräsentanz, Connection und auch ein bisschen Widerstand Liebe ist in diesem Thema ein wichtiges Stichwort. Denn leider ist Hass auf Social Media kein unbekann tes Phänomen. Dass sich die Liebe aber gegen den Hass durchsetzt, dafür sorgen Menschen wie Jess. Jess ist 23 Jahre alt und hat sich 2019 als nichtbinär geoutet – auch auf Social Media. Dort macht Jess heute auf dem Account @theirnameisjess Inhalte für nichtbinäre und Transpersonen, aber auch für Un terstützer:innen. „Egal ob geoutet, nicht geoutet oder Ally, hier bekommst du Antworten“ heißt es in deren Instagrambio. Dazu entschieden hat sich Jess, weil es über die Le bensrealität dieser Community noch zu wenig Con tent im deutschsprachigen Raum gibt. „Ich wollte da einen Austausch für Leute haben, die sich unsicher sind. Und zusätzlich die Sichtbarkeit erhöhen. Damit Leute sich informieren können.“ „Man muss nicht erst das halbe Inter- net durchsuchen, bis man was findet“ Auf dem Account finden sich viele InfoBeiträge, zum Beispiel über die Verwendung verschiedener Prono men, und auch RatgeberInhalte, die im Umgang mit einander sensibilisieren sollen. Darauf würden einige mit Unverständnis reagieren, erzählt Jess. Doch es gibt auch viele Menschen, die genau nach diesem Content suchen. Eltern, deren Kind sich als Trans ge outet hat beispielsweise, kommen auf Jess zu und fra gen nach der Verwendung von Pronomen, weil es ih nen wichtig ist. Und genau das sei richtig, denn „wie soll mehr Akzeptanz entstehen, wenn du einfach nur ein riesen Fragezeichen im Kopf hast?“, sagt Jess. Genauso wichtig sei es, dass man heutzutage auch auf solche Inhalte stößt, ohne gezielt danach zu suchen. Gerade durch die Zugänglichkeit an Informationen über Social Media, dadurch, dass „mehr drüber geredet wird und man nicht erst das halbe Internet durchsu chen muss, bis man was findet, sondern einfach so da rauf stößt und auch viele Leute sich in der Öffentlich keit outen“, könnten gerade jüngere Menschen sich selbst und andere schon viel früher besser verstehen. Weil sie etwas anfangen können, mit dem, was sie fühlen Jess Community auf Social Media ist größtenteils in Jess Alter, doch auch eine sehr große junge Community zwischen 14 und 16 gehört dazu, „die auch dann in dem Alter schon hinterfragen, ob sie Trans sind oder Beden ken haben, sich bei ihren Eltern zu outen.“ Dass Men schen schon im früheren Alter Klarheit über ihre Iden tität finden können, komme teilweise genau durch diese Möglichkeiten, sagt Jess. „Durch Social Media weiß man jetzt überhaupt, dass so- was existiert, weil sich Leute überhaupt erst austauschen können. Ich meine, ich habe davor nie etwas darüber ge- hört, in der Schule oder sonst irgendwo. Es wurde da nie zum Thema.“ Durch diese öffentliche Repräsentation könnten sich mehr Leute selbst reflektieren, sich selbst verstehen und am Ende auch outen „weil sie einfach wissen, was sie anfangen können, mit dem, was sie fühlen“. Social Media als Tool zur Selbstermächtigung, zum „Empowerment“, das scheint auch für Jess und deren Community wichtig zu sein. Und mutiges Empower ment braucht ein Stück weit Liebe und Zusammenhalt. Auf Jess Account findet man daher auch Videos, die Queer und Transjoy Momente zeigen. Also glückliche Momente, die wichtige Meilensteine für Transpersonen sind, die einem Zuversicht geben, wenn man anfängt, zu seiner Identität zu stehen. Diese Art von Momenten bleibe zwar, mehr als der sonstige, innerhalb der eigenen Bubble, also des eigenen Kreises, aber das sei auch okay, 8 Good News Magazin n a m t r o W e u J l : d l i B