anders geworden, denn die junge Generation fordert regelrecht ein, dass wir Boomer – und da gehöre ich ja auch dazu – jetzt auch mit anpacken und uns einset- zen. In den letzten drei Jahren ist viel mehr passiert als in den letzten 30 Jahren. Endlich ist der „One Health“- Ansatz ins Zentrum vieler Diskussionen gerückt. „One Health“ bedeutet, die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam zu begreifen. Es geht erst al- len besser, wenn es allen besser geht. Meine Hoffnung ist aber auch, dass wir mehr und mehr die Dinge wie- derentdecken, die uns guttun und nicht an Ressour- cen-Verbrauch gekoppelt sind. Und dann komme ich noch einmal auf den Humor zu- rück, damit wir dabei nicht verbittern. Ich liebe die Plakate auf den Demonstrationen, auf denen mit einem Augenzwinkern so etwas steht, wie zum Bei- spiel: „Kurzstreckenflüge nur für Insekten“, „Wozu Bil- dung, wenn keiner auf die Wissenschaft hört?“ oder „Klima ist wie Bier – zu warm ist Scheiße!“ Du argumentierst, dass Gesundheit, wie Klima- schutz, planetar gedacht werden muss. Welche neuen Herausforderungen, aber auch Lösungsansätze er- geben sich durch diesen globalen Denkansatz? Wir haben zu lange geglaubt, dass die Klimaverände- rungen Eisbären, Meeresspiegel und ferne Länder be- treffen, aber nicht uns in Europa. Doch die Pandemie hat uns am eigenen Leib gelehrt, dass „global“ eben „auch hier“ bedeutet und alles mit allem zusammen- hängt. Immer mehr globale Organisationen wie die WHO und die Vereinten Nationen verschreiben sich darum den internationalen Konzepten „Planetary Health“ und „One Health“. Diese große „planetare“ oder „eine Gesundheit“ klingt toll, aber erstmal wenig greifbar – ein wenig wie der Weltfrieden, den alle gerne hätten, aber keiner weiß so richtig, wie wir ihn herstellen kön- nen. Aber wir wissen zum Glück längst, welche Lö- sungsansätze wir brauchen, und dass wir viele brau- chen: Wildtierhandel beenden und Schutzgebiete einrich- ten; Treibhausgasemissionen radikal senken und Energien aus Erneuerbaren gewinnen; die Planetary Health Diet fördern, also weniger Fleisch und mehr Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse auf die Teller; Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung been- den, und am besten die Massentierhaltung gleich mit. Und das Beste an diesen Maßnahmen ist: Sie sind immer ein Win-Win. Sie fördern unsere globale, wie auch unsere persönliche Gesundheit. Covid-19 hat enorm dazu beigetragen, das Thema Gesundheit in den Fokus zu rücken. Inwieweit haben sich dadurch auch neue Türen geöffnet, Gesundheit und Klima anders zu denken? Corona ist etwas gelungen, was vorher als undenkbar galt: Die Emissionen sind gesunken! Und die Pande- mie hat uns zu einem anderen Verständnis von Ge- sundheit verholfen. Wir haben Gesundheit viel zu lange als etwas Individuelles betrachtet. Corona erin- nert uns an den Stellenwert von „Public Health“, an Gesundheitsgefahren, für die es übergeordnete Lö- sungen braucht. Meine große Hoffnung ist, dass wir jetzt darüber nachdenken, welche Art von Wachstum wir denn wie- der „ankurbeln“ wollen, wenn es mit sauberer Luft, mehr Fahrrad und weniger sinnlosen Flügen eigent- lich viel schöner ist. Wenn uns das Überleben einzel- ner heute befähigt, unseren Lebensstil zu ändern, sollte das nicht auch für das Überleben der Mensch- heit gelten? Gesundheit und Klima, in den letzten Jahren ist in Bezug auf beide Themen das Wort „Krise“ ein stän- diger Begleiter gewesen. Was können wir in diesen Krisenzeiten überhaupt tun, um eine Wendung zum Positiven zu bewirken? Ich werde immer wieder gefragt, was der Einzelne tun kann. Meine Antwort: Noch so kleine Schritte sind wichtig und wertvoll. Rad statt Auto, Zug statt Flug- zeug und Gemüse statt Fleisch. Geld fair anlegen, Ge- bäude energetisch bauen und sanieren und sich in die Politik einmischen. Jede und jeder wird gebraucht, mit Fähigkeiten, Netzwerk, Herz und Hirn. Aber das Wichtigste, was ein Einzelner tun kann, ist, kein Einzelner zu bleiben! In meinem Buch „Mensch, Erde!“ beschreibe ich die „Wen bewegst du“-Chal- lenge. Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt. Die konkrete Frage, die sich jeder stellen kann, lautet also: An wen komme ich heran, der ein bisschen mehr Möglichkeiten hat, etwas zu ändern, als ich es mir selbst gerade zutraue? Also schließt euch zusammen, in der Firma, in der Schule, im privaten Umfeld, redet miteinander, macht euch schlau, findet Verbündete. Und noch mal: Bleibt nicht alleine. Der Einzelne hat die größte Wirkung, wenn er kein Einzelner bleibt! 20 Good News Magazin